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Written by Gil Yaron   
Wednesday, 30 November 2011
Geheimer Krieg?

Computerviren, die Siemens-Zentrifugen explodieren lassen, Entführungen von Atomwissenschaftlern und Mordanschläge gegen Schlüsselpersonen im iranischen Atomprogramm gehören längst zum Standardinventar westlicher Geheimdienste bei dem Versuch, Teheran von der Herstellung einer Atombombe abzuhalten. Der neue Bericht der Internationalen Atomenergieorganisation IAEO hat viele davon überzeugt, dass Irans Atomprogramm trotzdem Fortschritte macht und die Zeit drängt. Kommt jetzt militärische Sabotage als Kampfmittel hinzu? Eine mysteriöse Explosion in Isfahan und ein Raketenangriff auf Israel könnten Indiz sein, dass der Wagemut, oder die Verzweiflung, der Geheimdienste zunimmt.
   
Eine gewaltige Explosion soll am Montag Teile der iranischen Stadt Isfahan erschüttert haben. So meldeten es zumindest anfangs staatliche iranische Medien. Kurze Zeit später nahmen die Berichte über den Knall mysteriöse Züge an. Der ursprüngliche Artikel verschwand von der Webseite der offiziellen Nachrichtenagentur „Fars“ und stellvertretende Gouverneur Isfahans Mohammed Mehdi dementierte gegenüber der halbstaatlichen Agentur „Mehr“, dass überhaupt eine Explosion stattgefunden habe. Gleichzeitig berichtete Mehr jedoch, dass eine Tankstelle außerhalb der Stadt explodiert sei. Andere staatliche Sprecher schrieben den Knall einem Manöver zu. Quellen der iranischen Opposition behaupteten jedoch, es habe sehr wohl einen Knall gegeben, und zwar in einer Militärbasis.

Nur eines ist klar: Im Iran herrscht Sorge, dass jemand eine Sprengkampagne gegen Einrichtungen des iranischen Atomprogramms begonnen hat. Arabische Geschäftsleute berichten von einer wahren „Fluchtbewegung“ ausländischer Investoren aus Teheran, weil diese einen israelischen Präventivschlag fürchten. Isfahan wäre ein lohnendes Ziel: Hier befindet sich eine Anlage, die „Yellow Cake“ in Uranhexafluoridgas verwandelt, dass dann in Zentrifugen angereichert wird – ein kritischer Schritt auf dem Weg zur Herstellung einer Bombe.
   
Zuletzt ereignete sich am 12. November in einer Raketenbasis nahe der Stadt Bid Kaneh eine große Explosion. Sie riss 18 Revolutionswächter, die Elitetruppen der Mullahs, in den Tod, darunter Generalleutnant Hassan Moghaddam. Moghaddam galt als Chefarchitekt des ballistischen Raketenprogramms. Sein Bruder sagte später, er habe gerade an der Entwicklung einer Interkontinentalrakete gearbeitet. Moghaddams zentrale Rolle wurde deutlich, als Revolutionsführer Ali Khamenei sein Begräbnis, das vom iranischen Fernsehen live übertragen wurde, mit seiner Anwesenheit ehrte.

In Nahost wähnte man natürlich Israels Geheimdienst „Mossad“ hinter der Explosion. Die war so gewaltig, dass sie mehrere Gebäude zerstörte und Irans Raketenprogramm „gestoppt oder zumindest verzögert“ habe, schätzte Brigadegeneral Itay Brun von Israels Militärgeheimdienst diese Woche. Im Iran, wo man sonst nicht mit Schuldzuweisungen Richtung Israel spart, wies man jedoch jede Anspielung auf den Mossad vehement zurück. Die Explosion sei Folge eines Fehlers bei dem Transport von Munition gewesen. In Israel reagierte Verteidigungsminister Ehud Barak mit verhaltener Zuversicht: Er wisse nicht, was sich in Bid Kaneh ereignet habe, wünsche sich jedoch noch viele solche Ereignisse.
   
Wenige schenken den Dementis Glauben: Israel wolle sich nicht angreifbar machen, die Iraner nicht die Angreifbarkeit ihrer wichtigsten Anlagen zugeben, so Experten. Zwischenfälle wie in Isfahan werden dementiert, unleugbare Explosionen wie in Bid Kaneh kleingeredet. Beweise dafür, dass der Mossad hinter den Angriffen steckt, gibt es jedoch nicht. Doch am Dienstag wurden in den Morgenstunden unerwartet und nach Monaten der Ruhe vier Raketen aus Libanon auf Israel abgeschossen, eine kleine Gruppe mit Verbindungen zu Al Qaeda übernahm die Verantwortung für den Angriff. Der Geheimdienstexperte Ronen Bergmann sah darin ein mögliches Indiz, dass dennoch der geheime Krieg zwischen Teheran und Jerusalem längst ausgebrochen ist: „Vielleicht war das die Antwort darauf, was gestern in Isfahan geschehen ist“, sagt er.
   
© 2011 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

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