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Written by Gil Yaron   
Sunday, 02 August 2009

Attentat auf Homosexuelle in Tel Aviv

 

In der Nacht zum Sonntag griff ein Unbekannter ein Gemeindezentrum von Homosexuellen in Tel Aviv an. Er tötete zwei Menschen, 15 wurden verletzt. Die Stadt, die international für ihre Toleranz und Lebensfreude bekannt ist, befand sich gestern in tiefer Trauer. In Medien und Politik hat das Attentat eine Sympathiewelle für Homosexuelle ausgelöst.
 
Der Tod war ganz in Schwarz gekleidet, das Gesicht hinter einer Skimaske versteckt. Gegen elf Uhr abends schrat der Täter das Treppenhaus hinunter, in der Hand eine Maschinenpistole. Unten im Keller waren etwa 20 Jugendliche versammelt. Sie spielten Karten oder unterhielten sich. Es war der allwöchentliche Treff minderjähriger Homosexueller. Ziel der Treffen ist es, homosexuellen Jugendlichen einen Ausweg aus ihrer Krise zu bieten. Viele befinden sich kurz vor ihrem Armeedienst. Die meisten, die hierherkommen, haben ihren Eltern noch nichts von ihren sexuellen Vorlieben erzählt. Doch Samstag Nacht wurde der Fluchtort zur Falle. Der Täter betrat die Räume und begann zu schießen. Im bisher schwersten Angriff auf Homosexuelle in Israel wurden ein 26-jähriger Jugendleiter und eine 17-Jährige erschossen, 15 Jugendliche wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt.

Der Hintergrund des Angriffs ist noch unklar. Der Täter wurde trotz einer massiven Fahndung der Polizei noch nicht gefasst. Er hinterließ kein Bekennerschreiben. In Israel deutet man den Anschlag als Hassverbrechen gegen Homosexuelle. Ganz Israel war über das Attentat entsetzt:“Ich verurteile diesen Mord auf das schärfste“, sagte Premier Benjamin Netanjahu zur Eröffnung der Kabinettssitzung. „Wir sind ein demokratisches und tolerantes Land und müssen jede Person so respektieren, wie sie ist.“ Präsident Schimon Peres rief die Israelis dazu auf, die Tat zu verurteilen. Tel Avivs Bürgermeister Ron Huldai erklärte:“Unsere Stadt wird Schwulen und Lesben weiterhin ein warmes zuhause sein.“

Die homosexuelle Gemeinde wurde von dem Attentat schwer getroffen. Gerade in Tel Aviv, eine internationalen Hochburg der Szene, hatte niemand mit einem Angriff gerechnet. In den Straßen der freizügigen Metropole gehören händchenhaltende gleichgeschlechtliche Paare zum Alltag. Jedes Jahr veranstalten Vereine der Homosexuellen eine „Love Parade“, an der auch zehntausende Heterosexuelle teilnehmen. Schon wenige Stunden nach dem Attentat sammelten sich hunderte Homosexuelle zu einem spontanen Protestmarsch, Bewohner Tel Avivs gesellten sich zu ihnen. Auch wenn der Täter noch nicht gefasst und sein Motiv unklar ist, hatten die Demonstranten bereits einen Schuldigen.

Ihr Groll richtet sich in erster Linie gegen das ultra-orthodoxe Establishment, vor allem die religiöse Schas Partei. Deren Abgeordneten sind in der Vergangenheit mit schwulenfeindlichen Aussagen aufgefallen. Der Knessetabgeordnete Schlomo Benisri hatte vor einem jahr erklärt, dass homosexueller Sex die Ursache für Erdbeben sei, sein Parteigenosse Nissim Seev hatte Schwule mit „Bestien“ verglichen. So lamentierte der homosexuelle Abgeordnete Nitzan Horowitz, die Tat habe sich seit langem abgezeichnet, Schuld daran habe die Hetzkampagne der Orthodoxen. Die Schas Partei veröffentlichte gestern als erste Partei ein Kommunique, dass den Anschlag unmissverständlich als „unjüdisch“ verurteilte. Selbst Seev sagte in einem Interview, dass er Homosexualität zwar streng ablehne, distanzierte sich aber klar vom Mord:“Da darf es gar keine Frage geben: Der Anschlag ist das schlimmste, was man sich vorstellen kann, und ich hoffe sehr, dass der Mörder gefasst und vor Gericht gestellt wird.“ Immer wieder meldeten sich Orthodoxe in Radiosendungen, um sich von der traditionellen Feindschaft der Religiösen zu Homosexuellen zu distanzieren und zu erklären, dass auch sie bereit wären, für die Menschenrechte von Schwulen und Lesben zu kämpfen.

Obschon religiöse Parteien in Israel in manchen Fragen unproportional viel Macht besitzen, ist die Emanzipation Homosexueller im Land weit fortgeschritten. Gleichgeschlechtliche Ehepaare dürfen hier Kinder adoptieren und sich beide als Eltern eintragen lassen. Der Staat erkennt gleichgeschlechtliche Ehen zwar nicht an, homosexuelle Lebensgefährten genießen jedoch ähnliche Rechte wie Ehefrauen oder Witwen. Selbst in der Armee besetzen Homosexuelle hohe Positionen. Erst vor zwei Wochen löste ein Brief von Reservisten im Land Aufruhr aus, weil sie gefordert hatten, ihren homosexuellen Kompaniekommandanten abzusetzen. Die Armeeführung wies die Forderung kurzerhand zurück.

© 2009 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable
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