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Written by Gil Yaron   
Sunday, 16 August 2009

Nicht extremistisch genug

 
 
Sie nennen sich die „Dschalschalat“, die Donner – eine lose Gruppe extrem-islamistischer Widerstandsorganisationen, die sich nicht an den radikal-islamischen Herrschern der Hamas sondern am internationalen Terrornetz al-Qaida orientieren. Lange galten die Männer, die sich wie pakistanische Mudschahedin kleiden und nach dem Vorbild des Religionsstifters Muhammad lange Haare tragen, als Verbündete der Hamas im Kampf gegen Israel und die säkulare Fatah, dem palästinensischen Erzrivalen. Doch am Wochenende endete das Bündnis. Die Hamas zerschlug die Splittergruppe „Jund Ansar Allah“ (Soldaten der Freunde Gottes), nachdem ihr Führungsanspruch in Frage gestellt wurde. Andere Splittergruppen drohen der Hamas jetzt mit Rache.

Im Gegensatz zur Hamas, die in erster Linie eine nationalistische Befreiungsbewegung ist, geht es den Dschalschalat nicht um die Errichtung eines Palästinenserstaates, sondern um die Weltherrschaft des Islams. Die Hamas ist als Volksbewegung stets auf den Zuspruch der Bevölkerung bedacht. Als vor wenigen Wochen ein Richterentscheid, der Frauen zwang, künftig nur mit Kopftuch vor Gerichten aufzutreten, einen Aufruhr auslöste, war die Hamas bemüht, die Bevölkerung zu beruhigen und unterzog den Beschluss einer Prüfung.

Die Dschalschalat hingegen wollen die Scharia, die islamische Gesetzgebung, notfalls mit Gewalt durchsetzen. Im Jahr 2008 steckten sie 36 Internetcafes in Brand, griffen christliche Schulen und Bibliotheken an. Ihr Ziel war dabei, den ohnehin stark traditionellen Gazastreifen in einen islamischen Staat zu verwandeln. Die Hamas befürwortete diese Übergriffe zwar nicht, duldete sie aber, richteten sie sich doch oft genug auch gegen gemeinsame politische Feinde wie die pragmatischere Fatah und vermeintliche Alliierte des Westens. Gruppen wie die „Jund Ansar Allah“ erhielten dadurch Auftrieb. Vor zwei Monaten wagten sie den ersten Angriff auf Israel: auf Pferden versuchten sie eine erfolglose Attacke auf den Grenzzaun.

Am Wochenende ging die Gruppe der Hamas jedoch zu weit. Ihr Führer, der Scheich Abdul Latif Mussa, hatte zu einer „historischen Predigt“ in einer Moschee in Rafah geladen. Zig vermummte Kämpfer sicherten die Moschee ab:„Wir deklarieren die Geburt des islamischen Emirats“, verkündete Mussa der begeisterten Menge. Dieser neue Staat werde Osama Bin Laden treu sein. Er beschuldigte die Hamas, den Weg Gottes verlassen zu haben und geißelte sie dafür, dass sie sich nach dem verheerenden Krieg gegen Israel vor sieben Monaten an den Waffenstillstand halte. Polizisten der Hamas sollen inzwischen sogar den Abschuss von Raketen auf Israel verhindern.

Diese „Unabhängigkeitserklärung“ des Scheichs ging der Hamas zu weit. Ihre Kämpfer umzingelten die Moschee und forderten eine Kapitulation. In den darauf folgenden Kämpfen, in denen Panzerfäuste und Granatwerfer zum Einsatz kamen, wurden mindestens 24 Menschen, darunter sechs Polizisten der Hamas, getötet und an die 150 verletzt. Am Ende sprengte die Hamas die Moschee und die Wohnhäuser der Rädelsführer, rund 90 Anhänger sitzen in Haft.

Die Hamas hat erneut bewiesen, dass sie in Gaza der Hausherr ist. Doch es wird klar, dass nicht nur ihr politischer Erzfeind, die Fatah, ihre Herrschaft in Frage stellt. Die Gratwanderung zwischen Pragmatismus und Islamismus schafft unter Extremisten Feinde. Nach den grausamen Kämpfen am Wochenende erklärten andere al-Qaida Gruppen der Hamas den Krieg. Die Islamisten nehmen die Bedrohung der ehemaligen Bündnisgenossen ernst. Gestern war eine verstärkte Präsenz der Polizei überall in Gaza spürbar, der Zugang zu Rafah war gesperrt. Laut Angaben des israelischen Geheimdienstes befinden sich hunderte ausländische Kämpfer der al-Qaida in Gaza, nachdem sie von den USA aus dem Irak vertrieben worden sind. Waren sie bisher gern gesehene Gäste der Hamas, sind sie nun für sie zu einer Gefahr geworden.

© 2009 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

 

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