Home arrow Deutsche Artikel arrow Ein Schlag ins Wasser

Bookmark Us
 
 
 
NEWSLETTER

Syndicate
feed image
feed image
feed image
 
Tags

abbas   arabischen   aviv   bdquodie   fatah   gaza   gazastreifen   gil   hamas   israel   israelis   israelische   israelischen   israels   jahr   jahre   jahren   jerusalem   juden   keine   krieg   leben   making   netanjahu   pal�stinensischen   premier   regierung   sei   soldaten   soll   staat   stadt   tel   understandable   usa   welt   westjordanland   wollen   yaron   2009   2010  

Created with .
Gil Yaron im SPIEGEL


Resize Font
A+ | A- | Reset

Der nächste Vortrag
Termin: Vom 5.3. bis 15.3. auf Reise in Deutschland
Ort: Schauen Sie hier die Details nach
Thema: Vielzahl von Themen!

Das neue Buch



Who's Online
We have 1 guest online
Print
Written by Gil Yaron   
Monday, 09 November 2009

Ein Schlag ins Wasser


Der
Einsatz des Sonderkommandos begann kurz vor Mitternacht, 180 Kilometer von der israelischen Küste entfernt. Zwei israelische Schnellboote nahmen den deutschen Frachter „Francop“ in ihre Mitte und teilten der Besatzung mit, dass Soldaten an Bord kommen würden, um die Ladung zu untersuchen. In wenigen Minuten hatten die Marineinfanteristen der „Flottille 13“ die Brücke des 137 Meter langen Containerschiffs in ihre Gewalt gebracht. Die Besatzung leistete keinen Widerstand.

Die Israelis mussten nicht lange suchen, bis sie die Ladung fanden, für die sie in die Nacht und Nebelaktion geschickt worden waren. Insgesamt fanden sie 36 Container mit rund 300 Tonnen Waffen und Munition, als zivile Fracht getarnt. Im Generalstab in Tel Aviv atmete man auf als klar wurde, dass der Mossad ganze Arbeit geleistet hatte. Laut israelischen Angaben handelte es sich um ein Geschenk der iranischen Revolutionswächter an die libanesische Hisbollah. Die Waffen hätten ausgereicht, um einen Monat lang Krieg gegen Israel zu führen, schätzte ein israelischer Offizier.

Diesmal wurde die Ladung im israelischen Aschdod gelöscht statt in Beirut oder dem syrischen Latakia. In Israel war man hoch zufrieden. Der dramatische Einsatz vor Israels Küste demonstrierte die Fähigkeiten israelischer Kommandos. Der Mossad scheint tief in die Reihen der Abteilung 15 des iranischen Geheimdienstministeriums eingedrungen zu sein, die für den Export der islamischen Revolution und den Kontakt zu Terrororganisationen verantwortlich ist.

Trotzdem kann der Fund nicht darüber hinwegtäuschen, dass eines der wichtigsten Ziele, die Israel 2006 im Krieg verfolgte, nicht erreicht wurde. Die Hisbollah hat, der Weltsicherheitsratresolution 1701 zum Trotz, wieder aufgerüstet. Die hatte die Entwaffnung aller Milizen im Libanon gefordert. Stattdessen verfügt die Hisbollah, die während des zweiten Libanonkriegs 2006 israelische Städte 34 Tage ohne Unterbrechung beschoss, laut israelischen Schätzungen heute bereits wieder über mehr als 40.000 Raketen, darunter auch Modelle mit größerer Reichweite und Sprengkraft als während des Krieges vor drei Jahren.

Die UN-Friedenstruppe im Libanon UNIFIL II hatte dies verhindern sollen. Sieben Schiffe mit 1300 Matrosen kreuzen vor der libanesischen Küste, um den Libanesen dabei zu helfen, den Waffenschmuggel ins Land der Zedern zu unterbinden. Stolz verkündet die Webseite der Truppe, dass bereits mehr als 22.000 Schiffe untersucht wurden, 240 Mal machten die Friedenshüter die libanesischen Behörden auf verdächtige Schiffe aufmerksam. Waffen wurden dabei bisher nie gefunden. Angesichts des Funds auf der Francop erscheint diese Küstenüberwachung fragwürdig. Ein hochrangiger israelischer Offizier erklärte dieser Zeitung deswegen: „Die UNIFIL war ständig im Bild. Trotzdem übernehmen wir solche komplexen und wichtigen Aktionen lieber selbst.“ Die Absicherung der libanesischen Küste scheint so letztlich kostspielig und irrelevant zu sein.

Trotz des großen Funds auf der Francop führt die wichtigste Nachschubroute über Land. Waffen werden aus dem Iran entweder nach Syrien geflogen oder kommen auf der Schiene über die Türkei. Von Damaskus werden sie in den Libanon geschmuggelt. Um den Auftrag der UN zu erfüllen, den Südlibanon in eine „waffenfreie Zone“ zu verwandeln, müsste die UNIFIL die libanesisch-syrische Grenze überwachen, doch dafür erhielt sie kein Mandat.

Den mehr als 11.000 UNIFIL Soldaten, die südlich des Litani stationiert sind, ist es nicht gelungen, den Waffenschmuggel zu unterbinden, behaupten Quellen im israelischen Geheimdienst. Zwar kontrolliere die UNIFIL die offenen Gebiete und das Grenzgebiet. Dafür sei die Hisbollah auf andere Gebiete ausgewichen. Zum einen errichte sie ein Bunker- und Raketensystem nördlich des Litani, außerhalb des Einsatzgebiets der UNIFIL. Zum anderen habe sie die UN aus den schiitischen Dörfern des Südens vertrieben. Zwei mysteriöse Explosionen, die sich hier in den vergangenen Monaten ereigneten, stützen die israelische Version. Aufnahmen israelischer Aufklärungsdrohnen, die die Dörfer kurz nach den Explosionen überflogen, zeigen Männer, die, so die israelische Deutung, eiligst Raketen abtransportieren. Beobachter der UNIFIL wurden erst eingelassen, als alle verdächtigen Spuren bereits beseitigt waren.

Die Francop wirft neue Fragen hinsichtlich der Effektivität der UNIFIL auf. Die Nordgrenze Israels ist seit drei Jahren so ruhig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Optimisten führen das auf die die Vermittlerrolle zurück, die die UNO zwischen Israel, der libanesischen Regierung und der Hisbollah erfüllt. Pessimisten hingegen sehen darin einen gefährlichen Trugschluss. Die Hisbollah halte nur solange ruhig, wie Israels Abschreckung wirksam sei und Teheran nicht den Befehl zum Angriff gebe. Dann allerdings, so meinen israelische Hardliner, könnte aus der Friedenstruppe schnell ein menschliches Schutzschild werden, dass die Hisbollah missbraucht, um sich gegen israelische Vergeltungsangriffe zu schützen.

© 2009 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

 

 

< Prev   Next >
© 2010 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable