Israel bombardiert Sudan
Israelische Kampfbomber haben während des Krieges gegen die Hamas im Gazastreifen im Januar anscheinend auch den Sudan bombardiert. Dies berichtete gestern der amerikanische Nachrichtensender CBS, der sich auf Quellen im Pentagon, im Sudan und Ägypten berief. Bei dem Angriff nordwestlich von Port Sudan zerstörten israelische Kampfbomber in 1200 Kilometer Entfernung einen Konvoi mit 17 Lastwagen, in denen iranische Waffen für die Hamas in den Gazastreifen vermutet wurden. Dabei sollen 39 Menschen getötet worden sein. Erste Berichte aus dem Sudan bestätigten anfangs diesen Sachverhalt. Später schien der sudanische Minister Mabruk Mubarrak Salim den Zwischenfall für Propagandazwecke ausschlachten zu wollen. Die Lastwagen hätten nicht Waffen sondern Zivilisten transportiert und der Angriff 800 Menschen getötet, sagte Salim dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera. Auf die Frage, weshalb der Sudan solch einen schweren Angriff nicht längst berichtet habe, beantwortete Salim nicht. Der israelische Armeesprecher weigerte sich im Gespräch mit unserer Zeitung, die Berichte zu kommentieren:„Kein Kommentar“, hieß es knapp in Tel Aviv. Beobachter werten diese Aussage jedoch als stillschweigende Verantwortungserklärung, weil Israel normalerweise Angriffe, die nicht von seinen Truppen ausgeführt werden, dementiert.
Der Sudan, der von einer radikal-islamischen sunnitischen Regierung beherrscht, ist eine wichtige Wegstation in der iranischen Nachschubroute an die Islamisten der Hamas. Seit Jahren werden Rüstungsgüter wie Sprengstoff, Minen, Munition, Gewehre und neuerdings auch Raketen in iranischen Häfen eingeschifft und über Jemen, Sudan und Ägypten auf dem Land- oder Seeweg zu den Islamisten im Gazastreifen geschmuggelt. Der Iran verstößt damit gegen eine Resolution des Weltsicherheitsrates, der ihm den Export von Waffen verbietet. Dank der Raketen aus dem Iran befinden sich bereits israelische Großstädte in Reichweite der Hamas, im Januar schlugen sie nur 20 südlich von Tel Aviv ein.
Die Routen und die Schmuggler sind dem legendären Geheimdienst Mossad bereits lange bekannt. Quellen in einschlägigen Kreisen in Israel schätzten gestern, dass der Angriff im weit entfernten Sudan einer besonderen Ladung gegolten haben könnte. Sollte es der Hamas gelingen, in großem Umfang schultergestützte Luftabwehrraketen oder Raketen mit einer längeren Reichweite nach Gaza zu bringen, würde dies das strategische Gleichgewicht in der Region entscheidend verändern. Dies habe man verhindern wollen. Zum anderen kann man den Angriff auch als ein Signal an den Sudan und Iran sehen. Demnach wollte Israel signalisieren, dass man dem Schmuggel nicht mehr tatenlos zusehen wird. Dabei ist der Sudan kein neues Einsatzgebiet für die Agenten des Mossad, die in den 80er Jahren von hier aus eine geheime Luftbrücke äthiopischer Juden nach Israel einrichteten.
Nicht nur die Armee, auch das israelische Außenministerium ist darum bemüht, den anhaltenden Waffenschmuggel an die Hamas zu unterbinden. In Jerusalem ist man davon überzeugt, dass nur so ein neuer Krieg mit der Hamas im Gazastreifen verhindert werden kann. Darin erhält Israel die Unterstützung der westlichen Welt. Neun westliche Staaten erklärten sich bereit, Ägypten und Israel bei der friedlichen Bekämpfung des Waffenschmuggels behilflich zu sein.
Bis die diplomatischen Mittel wirken, müssen Militärs und Geheimdienstagenten den Nachschub der Hamas kappen. Der Angriff im Sudan gibt ihnen Aufschwung. Nach einer langen Phase, in der der Geheimdienst eher für Fehlschläge als für Erfolge bekannt wurde, konnte er in den letzten Jahren erhebliche Triumphe verbuchen. Dazu gehört die Tötung des Generalstabchefs der Hisbollah Imad Mughnie, der in Damaskus mit einer Autobombe getötet wurde. Die Aufdeckung eines anderen Waffenschiffs aus dem Iran, das von der US-Marine frühzeitig aufgebracht und nach Zypern umgeleitet wurde, sowie zahlreiche mysteriöse Zwischenfälle im iranischen Atomprogramm, wie explodierende Zentrifugen, fehlerhaftes Baumaterial und tot aufgefundene Atomphysiker, die das Projekt erheblich verlangsamen und ebenfalls teilweise dem Mossad zugeschrieben werden. Doch hat der Geheimdienst auch erhebliche Lücken. So entging ihm vollends, dass Syrien mit Geld aus dem Iran und Wissen aus Nordkorea einen waffenfähigen Atomreaktor in Dir A Saur errichtete. Das Wissen darüber erreichte Israel von einem iranischen Überläufer, der dem CIA darüber berichtete. Der Reaktor wurde von der israelischen Luftwaffe kurz vor seiner Fertigstellung 2006 zerstört.
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