Home arrow Deutsche Artikel arrow Frauenrechte in Ägypten

Bookmark Us
 
 
 
NEWSLETTER

Syndicate
feed image
feed image
feed image
 
Tags

abbas   arabischen   aviv   bdquodie   fatah   gaza   gazastreifen   gil   hamas   iran   israel   israelis   israelische   israelischen   israels   jahr   jahre   jahren   jerusalem   juden   keine   krieg   making   netanjahu   pal�stinensischen   premier   regierung   sei   soldaten   soll   staat   stadt   tel   understandable   usa   welt   westjordanland   wollen   yaron   2009   2010  

Created with .
Gil Yaron im SPIEGEL


Resize Font
A+ | A- | Reset

Der nächste Vortrag
Termin: Vom 5.3. bis 15.3. auf Reise in Deutschland
Ort: Schauen Sie hier die Details nach
Thema: Vielzahl von Themen!

Das neue Buch



Who's Online
We have 1 guest online
Print
Written by Gil Yaron   
Wednesday, 23 July 2008

Frauenrechte in Ägypten

 
 
Für Engy Ghozlan war der Weg zu ihrer Universität in Kairo eine tägliche Feuerprobe:„Sexuelle Nötigung gehört in Ägypten für Frauen zum Alltag, besonders im öffentlichen Verkehr“, erzählt die 23-jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Männer pfiffen ihr nach, berührten sie ungefragt, oder zeigten ihr in Einzelfällen sogar ihre Genitalien. Die mutige Journalismusstudentin ließ sich aber nicht einschüchtern und meldete sich vor zwei Jahren im „Ägyptischen Zentrum für Frauenrechte“ freiwillig, um eine Studie zum Thema durchzuführen.

Die Ergebnisse sind schockierend, denn offensichtlich ist Ghozlan nicht allein. Die Hälfte der 2800 befragten Frauen bestätigte, täglich sexuell belästigt zu werden. Insgesamt berichten 83% der Ägypterinnen und 98% der ausländischen Frauen bereits einmal sexuell belästigt worden zu sein. Im Vorjahr hatte eine andere Studie festgestellt, dass in Ägypten im Durchschnitt alle zwei Minuten eine Frau vergewaltigt wird, im Jahr 2006 waren es insgesamt fast 20.000 Opfer.
   
„Das Problem liegt in unserer Kultur“, sagt Ghozlan. „Männer werden dazu erzogen, machtvoll und viril zu sein. Sie denken, dass Frauen alles über sich ergehen lassen müssen.“ So gaben 62,4% der befragten Männer zu, Frauen regelmäßig zu belästigen und dies auch weiterhin tun zu wollen. Die meisten Ägypter, auch Frauen, übernehmen kritiklos die kulturellen Werte, laut denen Frauen einen niedrigeren sozialen Status als Männer einnehmen. Demnach stimmten Frauen wie Männer der Aussage zu, dass Frauen vor acht Uhr Abends heimkehren sollten. Mehr als die Hälfte der Männer schiebt Frauen die Schuld für die sexuelle Belästigung zu. Sie würden sie mit freizügiger Kleidung einladen und letztlich auch genießen. Doch die Ergebnisse der Studien widersprechen dieser „Theorie“ – 72,5% der Opfer bezeugten, dass sie regelmäßig einen Schleier tragen.

Dabei machten Frauenrechte in Ägypten in vergangenen Jahren Fortschritte. Elf der 454 Parlamentsabgeordneten sind Frauen, im März wurden erstmals 31 weibliche Richter ernannt. Führende religiöse Institutionen und die Regierung haben die weibliche Genitalverstümmelung im vergangenen Jahr kategorisch untersagt und nach dem Tod einer 11-jährigen unter Strafe gestellt. Trotzdem bleibt das Phänomen noch weit verbreitet: laut mancher Schätzungen werden 97% der ägyptischen Mädchen beschnitten, übrigens bei Christen genau so häufig wie bei Muslimen. „Es ist ein kulturelles, kein legales Problem. Da muss der Staat anders ansetzen“, sagt dazu Ghozlan.

Bisher kehrte die Regierung das Problem, das meist im öffentlichen Raum oder an touristischen Orten stattfindet, unter den Teppich. Das will Ghozlan mit ihrer Studie jetzt ändern:„Angesichts dieser Zahlen kann die Regierung uns nicht mehr ignorieren.“ Das Problem wird immer häufiger, so die Studie, doch die Regierung konnte es bisher ignorieren, da nur 2,4% der belästigten ägyptischen und 7,5% der ausländischen Frauen eine Beschwerde einreichen. Viele haben Angst vor Gewalt. Im Jahr 2006 wurden mindestens 247 Frauen vor dem Hintergrund sexueller Gewalt ermordet, Gerichte ahnen Mord für die „Familienehre“ mit milderen Strafen als andere Gewaltverbrechen. Die Gesetzeshüter sind Teil des gesellschaftlichen Problems. Neben Taxi- und Busfahrern sind es oftmals Polizisten, die Frauen belästigen. Kein Wunder also, dass vor allem Ausländerinnen kein Vertrauen zu ihnen hegen. „Eine Frau, die zur Polizei geht, muss um ihren Ruf fürchten“, sagt die junge Projektleiterin Ghozlan:„Die Beamten werden ihre Beschwerde ja ohnehin nicht ernst nehmen, sondern das Verhalten der Männer als „Kompliment“ verniedlichen.“
   
Noch ist der Weg zur gesetzlichen Gleichheit weit. Frauen erhalten entsprechend islamischer Gesetzgebung weitaus weniger als männliche Erben, selbst verheiratete Frauen benötigen oft noch die Genehmigung ihrer Ehemänner, um sich einen Pass ausstellen zu lassen. Doch Ghozlan will nicht locker lassen:„Ich lasse mich nicht einschüchtern, sondern werde mir meine Straße zurückerobern“, sagt sie entschlossen. Ghozlan kann sich in ihrem Kampf auf lokale Traditionen berufen: schon vor dreitausend Jahren, vor der Ankunft des Islam, waren Frauen in Ägypten gleichberechtigt. Archäologen können von mindestens 3 Premierministerinnen und vier weiblichen Pharaos erzählen, die auch erfolgreiche Kriege führten. In Bezug auf Frauenrechte wäre für Ägypten eine Rückentwicklung vielleicht sogar ein Fortschritt.

© 2009 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

 

< Prev   Next >
© 2010 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable