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Written by Gil Yaron   
Sunday, 28 December 2008
Ein riesiges russisches Roulette


Knapp eine Million Israelis sahen sich gestern (Sonntag) einer neuen Realität gegenüber. Nachdem zwei Katyuschas der Hamas neben der Hafenstadt Aschdod einschlugen, weiß jeder fünfte Israeli, dass er sich in Reichweite palästinensischer Raketen befindet. Für Lital Diamant, 29, aus Aschdod war es eine unfassbare Erfahrung. Am Samstag saß sie mit ihren Eltern am Mittagstisch, man sprach über den Krieg in Gaza. Das Dröhnen der Kampfbomber, die den Himmel auf ihrem Weg nach Gaza durchkreuzten, wurde vom Gemurmel des Fernsehers begleitet, der im Hintergrund lief und, wie im Land üblich, Nachrichten zeigte. Plötzlich ertönte eine Luftschutzsirene:„Meine Mutter lief in Panik zum Bunker, doch wir mussten lachen. Der Alarm kam nur aus dem Fernsehen“, erinnert sich Lital.

Nur fünf Minuten später heulten die Sirenen wirklich auf. Das Lachen verstummte. Die 200.000 Einwohner der Hafenstadt fühlen sich nun wie Teilnehmer eines gigantischen russischen Roulettes: Wenn die Sirenen aufheulen, haben sie 40 Sekunden Zeit, um Schutz zu suchen. Niemand weiß, wo die nächste Rakete einschlagen wird.

Seit einem Monat verteilt das Heimatfrontkommando Informationsblätter in den Städten, in die sich bis vor wenigen Wochen die Bewohner der Stadt Sderot flüchteten. Bisher war sie das Lieblingsziel der Hamas. Städte wie Beer Scheva, Netivot, oder Aschdod waren Zufluchtsort für die gebeutelten Bewohner Sderots, die nahe an ihrem Arbeitsplatz bleiben, aber ihre Kinder aus der Gefahrenzone herausholen wollten. Nun sind auch diese Städte in Gefahr.

 „Am meisten stört mich, dass es in unserem Kindergarten keinen Schutzraum gibt“, sagt Dr. Lilach Leibenson aus Beer Schewa. Sie spricht auf Englisch, damit ihre fünfjährige Tochter nichts von der Gefahr mitbekommt, in der sie sich nun befinden. Beer Scheva und ihre 180.000 Einwohner sind rund 40 Kilometer von Gaza entfernt. Noch haben die Raketen sie nicht erreicht, die Bewohner wurden aber gewarnt. „Es ist so unwirklich, von heute auf morgen in einem Kriegsgebiet zu leben“, sagt die angehende Frauenärztin. Noch schläft sie nicht mit ihrer Tochter und den zweijährigen Zwillingen im Schutzraum, schließlich ist der nicht weit vom Schlafzimmer. Sollten Raketen hier aber einschlagen, will Lilach die Stadt verlassen. „Aber ich habe vollstes Vertrauen darin, dass unsere Armee die Sache in den Griff bekommt.“

Dieses Vertrauen haben die Bewohner von Sderot längst verloren. Salli Edri, 23, rechnet damit, dass der Beschuss der Hamas nur noch zunehmen wird. Deswegen ist er mit seinem kleinen Bruder Amit, 8, nach Beginn des israelischen Angriffes in Gaza aus Sderot geflüchtet. Eine Familie aus Tel Aviv hat das Bruderpaar bei sich aufgenommen:„Ich habe einfach bei der Stadtverwaltung angerufen. Die hatten schon hunderte Telefonnummern von Tel Avivern parat, die Bewohner aus dem Süden bei sich aufnehmen wollten. Da hab ich unsere Sachen gepackt und bin losgefahren“, sagt Salli. Seine drei Brüder sind bei einer anderen Familie untergekommen. Es ist unklar, wie viele Israelis bereits aus der Umgebung des Gazastreifens geflüchtet sind. Doch nach acht Jahren fast pausenlosen Terrors aus der Luft sprechen Schätzungen von Tausenden. 

Dabei ist fraglich, ob Tel Aviv viel sicherer ist. Nach einem Jahr der Ruhe waren die Wächter an den Einkaufszentren zuletzt sehr lax. Samstagabend aber bildeten sich erstmals wieder Schlangen auf den Bürgersteigen in Stadtmitte. Die Wächter untersuchten an den Eingängen jeden sorgfältig auf Waffen und Bomben. Seitdem die Hamas wieder mit Selbstmordattentaten droht, ist man selbst im lebenshungrigen Tel Aviv vorsichtig geworden.

© 2008 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable





 
 
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